Mariengymnasium Papenburg

Für die Festschrift zum 300jährigen Bestehen der Gemeinde St. Antonius in Papenburg im Jahr 1980 verfasste Sr. Philomene Schmitz - von 1957 bis 1974 Schulleiterin - einen Beitrag, der die Phasen der Entwicklung und den Bildungsauftrag des Mariengymnasiums darstellt. Obwohl der Aufsatz mittlerweile über zwanzig Jahre alt ist, sind auch die Passagen über den Bildungsauftrag der Schule immer noch lesens- und bedenkenswert.

Der Beginn ...

Der Beginn der höheren Schulbildung der Mädchen in Papenburg liegt bereits vor der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Um 1835 richtete Fräulein Julia Brabant aus Neuenkirchen in Oldenburg eine höhere Töchterschule für «die weibliche Jugend höherer Stände« ein und übernahm Leitung und Unterricht. Die Schule bestand aus einem Klassenraum und befand sich wahrscheinlich im »alten Gasthaus« (dem späteren Josefsheim), im Winkel zwischen »Am Josefsheim« und »Gasthauskanal«. (heute: Autohaus Arens).Dieses »alte Gasthaus«, das 1809 erbaut und 1850 ein 2. Stockwerk erhielt, diente zugleich als Altersheim, Krankenhaus, Armenhaus und später (seit 1906) auch als Waisenkinderheim. Die Schülerzahl lag in den Jahren 1835 bis 1876 um 20, 1876 bis 1895 zwischen 20 und 36. Es waren vorwiegend katholische Schülerinnen, jedoch besuchte bis 1894 eine Minderheit evangelischer Schülerinnen die Schule. (1894 wurde für die ev. Schülerinnen eine eigene Schule gebaut: Dr. Mengel-Schule am Deverweg). Die Aufnahme eines jüdischen Kindes wurde 1888 abgelehnt, später jedoch haben wiederholt Jüdinnen die Schule besucht. Das Schulgeld, das erhoben wurde, richtete sich nach der Zahl der Schülerinnen und den »erwachsenden« Kosten; es lag zwischen 60 und 108 Mark.

 

Das alte Gasthaus, in dem sich von 1835 bis 1904 die private höhere Töchterschule befand

Über den Unterricht selbst (Stundentafel, Fächer etc.) lässt sich kaum etwas sagen. Anzunehmen ist, dass neben den Elementarfächern auch Grundkenntnisse in Französisch vermittelt wurden, wie es in den »Trivialschulen« in Meppen, Leer, Haselünne, Lingen und Vechta seit Anfang des 19. Jahrhunderts üblich war. Aufsicht und Verwaltung der höheren Töchterschule scheint bis zum Jahre 1876 der Bischof von Osnabrück gehabt zu haben. Aus dem Jahre 1865 wird berichtet, dass die Einstellung der Lehrpersonen der Genehmigung des Bischofs von Osnabrück bedurfte. So sagt die Chronik der Ursulinenschule in Haselünne ausdrücklich, dass 1865 Bischof Paulus Melchers die Anstellung der Lehrerin Elisabeth Schnell an der höheren Töchterschule in Papenburg genehmigte; drei weitere Lehrerinnen wurden in den Jahren 1872 bis 1877 eingestellt.Aus dem Jahre 1876 ist ein Statut der höheren Töchterschule erhalten, »das deren Verwaltung unter dem Vorsitz des Pfarrers ad St. Antonium regelt.«1879 wurde Fräulein Anna Deitmer Vorsteherin der höheren Töchterschule. Sie war geprüfte Lehrerin für Volks- und höhere Schulen. Ihre ganze Kraft widmete sie bis zum Jahre 1916 der Ausbildung und Weiterbildung der weiblichen Jugend. Gegen Ende des Jahrhunderts ging die Zahl der Schülerinnen zurück. (Der Grund wird aus dem vorliegenden Material nicht deutlich.) Um das Fortbestehen der Schule zu sichern, wurde 1904 ein »Katholischer Schulverein« e.V. gebildet; im Vorstandsgremium hatte der Pfarrer »ad St. Antonium« Sitz und Stimme.Als Schulklasse diente ein Raum im Hause der Witwe Rein in der Friederikenstraße (heute: Boutique Freeriks)

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Private höhere Töchterschule an der Friederikenstraße (1904 bis1905)

Aus welchem Grund man überwechselte, lässt sich mit Sicherheit nicht sagen. Vermutlich spielten räumliche und finanzielle Schwierigkeiten eine Rolle.Wie aus den Akten hervorgeht, wurde das Walkersche Haus am Hauptkanal rechts Nr. 80 bereits 1885 gemietet und 1905 käuflich erworben für die höhere Töchterschule (heute: Nr. 85; seit 1952 Werkstatt der Firma Kuhr; 1916 bis 1952 Kinderheim). Nachdem die Schülerzahl gestiegen war, wurden zwei Klassenräume eingerichtet und 1912 ein dritter. Ab 1905 stellte man eine zweite und 1912 eine dritte Lehrerin ein. Über den Schulbesuch wird in der Chronik folgendes berichtet: »Nach den drei ersten Schuljahren in der Volksschule sollten die Kinder die drei Töchterschulklassen je zwei Jahre besuchen, um so die Aufnahme in die Klasse 1 eines Lyzeums zu erlangen«

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Private höhere Töchterschule am Hauptkanal (1905 bis 1916)

Da seit dem Jahre 1908 die Anforderungen in der höheren Mädchenschule sich in zunehmendem Maße steigerten, konnten die drei Lehrpersonen ihnen nicht mehr gerecht werden. Dechant Degenhard sah sich in Verbindung mit dem »Schulverein« nach einer Möglichkeit um, Ordensschwestern als Lehrkräfte zu gewinnen. Während der folgenden Jahre bis 1914 wurden Verhandlungen mit dem bischöflichen Generalvikariat geführt, aus der Thuiner Kongregation Lehrschwestern zu erhalten. »Da diesen«, wie die Chronik bemerkt, »noch jegliche Erfahrung auf dem Gebiete des höheren Schulwesens fehlte, anderseits es weniger angebracht schien derselben Kongregation in derselben Gemeinde Armenhaus (Josefsheim) und höhere Töchterschule zu übergeben, musste von dem Plan abgesehen werden.« 1914 wurde Pastor Engelhard vom Schulverein beauftragt, nochmals mit der bischöflichen Behörde zu verhandeln und eventuell von den Bedenken gegen die Thuiner Schwestern abzusehen. Da jedoch im März 1914 Bischof Hubertus Voss starb und im August 1914 der 1. Weltkrieg ausbrach, mussten alle Pläne zurückgestellt werden. Anfang des Jahres 1915 jedoch, als »wieder etwas Ruhe eingetreten war«, wurde in einer Generalversammlung des Schulvereins wiederum aber eine Ordensniederlassung beraten, und Pastor Engelhard verhandelte mit dem neuen Bischof von Osnabrück Dr. Wilhelm Berning, der mit Wohlwollen die Pläne betrachtete. Er wandte sich an die Ursulinen in Haselünne, Am 2. Juli 1915 fanden sich die Ursulinen bereit, die höhere Töchterschule in Papenburg zu übernehmen. Am 4. Mai 1916 erfolgte durch Ministerialerlass über die Regierung in Osnabrück die Genehmigung für die Niederlassung der Ursulinen aus Haselünne in Papenburg und die Übernahme der Schule.

Ursulinenschule am Hauptkanal (ehemaliges Hotel Triep), 1916 bis 1955

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